3. Meine Tarnung fliegt auf und die dunkle Wunderwelt erscheint am Horizont

Es ist Freitagabend 17.50 Uhr. Es ist Dezember und bereits stockdunkel. Eigentlich ist es wie jeden Freitagabend nach einer vollen Woche: Ich bin wie immer hundemüde. Eigentlich ist heute wieder ein SM-Stammtisch vom JungeSMünchen und da ich am Dienstag nur ganz kurz da war, wäre es interessant sich heute noch mal ein bisschen mehr Zeit zu nehmen. Morgen kann ich zumindest ca. 1 – 2 Stunden länger schlafen, da die Kinder an Wochenendenden mindestens bis 7 Uhr schlafen (früher kommt bei uns eh nicht in die Tüte!). Mein Mann Andy bemerkt meine Unentschlossenheit und gibt mir den letzten Stupser: „Wir schmeißen hier den Laden. Geh los und hab Spaß!“ Einen tolleren Mann kann man sich nicht wünschen. Nun gut. Überzeugt.

Ich nehme mir aber ganz fest vor nicht so lange zu bleiben, ziehe mir halbherzig irgendeine weiße, möglichst brav aussehende Bluse an. Denn ich bin verheiratet und möchte ja keine falschen Signale senden.

(An die weiblichen Leser: Ihr wisst was ich meine und wir Frauen wissen genau was wir tun!“) „Und überhaupt bin ich ja ziemlich harmlos und unschuldig“, denke ich und steige ins Auto. Nach langer Fahrt durch die Stadt komme ich endlich am Ziel an. Doch nun? Was mache ich mit dem Auto? Das scheint eine Gegend zu sein, in der halb München ausgeht …. UND wohnt!!!! Fast 30 Minuten suche ich einen Parkplatz. Das ist die Rekord-Parkplatz-Such-Zeit meines Lebens und ich ziemlich genervt und kurz davor umzudrehen. DA fährt endlich einer aus einer Parklücke, 500 m vom Treffpunkt entfernt und jetzt hab ich keine Ausrede mehr! Jetzt muss es sich aber auch lohnen! Wenn ich wüsste … Nun also laufe ich durch die dunklen Straßen, überall Kneipen, Leute die ausgehen, sich treffen, … „Wie lange ich das schon nicht mehr gemacht habe!“, denke ich. „Irgendwie ist das nicht meine Welt!“. Ich laufe bis zum rot leuchtenden Schild an der Ecke „Strangula“. Ist das ein Scherz? Wird hier stranguliert? Der Name passt ja wunderbar. Vielleicht nur Zufall. Drinnen sitzen schon an die 30 Leute und im Laufe des Abends werden es sicher ca. 50. Alle sind unter 40 Jahren, das ist Bedingung und es herrscht die gleiche, offene Stimmung wie auch am Dienstag.

Die Organisatoren legen sich ins Zeug, dass alle Neulinge einen Gesprächspartner finden und ermutigen auch mal die Plätze zu tauschen und sich umzuhören.

Ich bin trotzdem etwas unsicher, stehe herum, bin ja eh viel zu spät … und da schnappt sich der Organisator einen Stuhl und platziert das verlorene Etwas einfach an einer Ecke. Hier ist man schon in Gespräche vertieft und ich mir ist noch unbehaglicher. „Da musst Du jetzt durch. Streng Dich an, Hazel!“ Ich sehe und spüre schnell, mit wem ich andocken kann und mit wem nicht.

An dem Tisch gibt es eigentlich nur einen Mann, den ich interessant finde und der sympathisch aussieht. Er heißt Paul, ein 35-jähriger Kommunikationsdesigner mit Fernbeziehung in Berlin.

„Hm, er sieht gut aus … und sehr sexy mit seinem Bart, seinen dunkeln Haaren, seine Augen… irgendwas hat er an sich.“ „Schscht“, zische ich zurück, „dafür bist du nicht hier! Was denkst Du da eigentlich!!“ Doch siehe da: Im Laufe des Abends verschwinden alle nervigen, langweiligen Gesprächspartner. Irgendwann sitzen nur noch Paul und ich dort. „Endlich“, denke ich erleichtert und nun reden und reden und reden wir. Aber von oberflächlichem Geplänkel keine Spur. WAS für Gespräche: intimste Dinge über Sex und über Drogen!

Ich sauge alles auf, hänge an seinen Lippen und bin so neugierig, dass er von Dingen erzählt, die er eigentlich gar nicht erzählen wollte.

Er erzählt mir zum Beispiel, wie es in den Berliner Clubs so abläuft und welche Droge wir unbedingt einmal ausprobieren müssten und er könne mir sogar etwas besorgen. „Was mach ich denn eigentlich da…!?“, sagt Paul erschrocken. „Empfehle einer wildfremden, jungen Frau Drogen zu nehmen!?!?!“ Ich muss innerlich laut auflachen und denke: „Mach Dir keine Vorwürfe, denn meine Neugierde ist dafür verantwortlich. ICH hab das Gespräch geführt. Ich will im Moment einfach ALLES wissen und weiß schon damit umzugehen! Echte Neugierde ist mächtig, ich behaupte sogar mächtiger als Drogen!“ Was für ein Genuss ein Gespräch so steuern zu können! Immer mal wieder setzt sich jemand zu uns, doch das  kann ich gar nicht gebrauchen. Wie werde ich die Störenfriede wieder los? Einer fängt an mich penibel auszufragen und ich fühle mich wie auf der Anklagebank. „Was soll das? Was will er bezwecken?“ Ich versuche etwas verzweifelt wieder am Gespräch mit Paul anzuknüpfen. Gerade waren wir vertieft im Thema Swinger Club. Ich rate ihm ab von Veranstaltungen auf denen auch Single Männer erlaubt sind. Lieber solle er sich einen Abend aussuchen bei dem Paare und Biladies Eintritt haben. Er könne dann mit seiner Freundin ja mal hingehen und es ausprobieren. Der andere schlecht gelaunte, ausfragende Mann, der kurz zuvor an den Tisch gekommen ist, verdreht sofort die Augen, als er das hört und sagt: „Naaaaja, diese Bi-ladies…ich weiß nicht…“.

Ich plötzlich packt mich mein neu gewonnener Mut und ich antworte frech: „Ich bin auch Bi. Das lebe ich zwar nicht aus aber spüre das schon seit meiner Jugend!“ Da sind auf einmal alle erstaunt oder …. vielleicht erregt? Wer weiß…

Scheinbar sehe ich nicht typisch Bi-Ladymäßig aus?! Wie sehen solche Frauen überhaupt typischerweise aus? Meine Haltung, die sich in den letzten Wochen entwickelt hat, traue ich mich auch hier einzunehmen: Je ehrlicher, je intimer desto besser – ich habe keine Lust mehr auf oberflächliches drum herum Gerede und gegenseitiges Verurteilen. Er: „Oh, da hab ich wohl eine Meinung…“. „Stimmt, mein Lieber und Du hast Dich gerade selbst gecoacht!“, denke ich. …Er merkt, dass er hier mit seinem Genörgel nicht weiter kommt und verschwindet. „Endlich!“ Der andere Mann bleibt und er scheint auch sehr nett und ehrlich zu sein. Paul fragt ihn, wie das aussehe mit Drogen in der Szene. In Berlin würden 50% der Leute, die in Clubs gehen, Drogen nehmen. Seine Antwort freut mich: Hier gebe es das eher weniger, denn dies verfälsche das Erlebnis. „Gut zu wissen, das sind wertvolle Informationen!“…und langsam bin ich heiser, es ist so laut hier und es ist wirklich schwierig deutlich zu sprechen. Doch etwas liegt mir noch auf der Zunge: Ich erzähle meine ganze Beziehungs-Geschichte und wie zielstrebig ich damals mit 18 Jahren war, was mein Mann und ich in letzter Zeit alles ausprobiert haben…

Paul ist ziemlich erstaunt und beeindruckt, dass ich nach 10 Jahren Beziehung und 3 Kindern so cool drauf bin! Das freut mich!

Puh, schon 23.00 Uhr. Wahnsinn, wie die Zeit verflogen ist und das nur mit Reden? So kenne ich mich gar nicht! Und ich wollte doch nicht so lange bleiben. Morgen früh bereue ich das! Gegen 23.30 Uhr verabschiede ich mich, wir tauschen unsere Nummern aus und ich laufe zurück zum Auto. Überall rieche ich Gras… wo bin ich hier denn gelandet? Ist Kiffen so etabliert? Hab ich so viel verpasst? Das ist doch eine ganz normale Gegend hier?

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Zuhause und im Bett angekommen bin ich hellwach und kann nicht schlafen. Ich bin high aber ganz ohne Drogen! Wie nach einem Bühnen-Auftritt! Die Gesprächsthemen gehen mir im Kopf herum und ich hätte noch stundenlang mit Paul weiter sprechen können. Ich schreibe ihm auf WhatsApp. Mal sehen, vielleicht können wir noch ein bisschen chatten. Neben meinem friedlich schlafendem Mann liegend bekomme ich plötzlich ein ziemlich schlechtes Gewissen. Ist das jetzt Betrug? Ist das nicht link und falsch mit einem fremden Mann zu chatten, während ich neben ihm liege?

Hier im geschützten Rahmen, kann ich ja meine Tarnung aufgeben und muss zugeben, dass ich wohl doch weder harmlos noch unschuldig bin: Mit Paul eine Affäre zu beginnen, hätte ich mir in ein paar Momenten vorstellen können. Eine Anziehung meinerseits gab es, auch wenn ich mich das niemals getraut hätte zu zeigen oder damit zu spielen.

Und er führt auch noch eine offene Beziehung, hat er erzählt!  „Schsch, Hazel! So weit bist Du noch lange nicht! Das ist gefährlich und Du kennst Dich nicht aus!“ Das wäre mir viel zu anstrengend und muss doch sehr kompliziert sein. Sex ohne Gefühle? Oder sind Gefühle für andere doch erlaubt? Kann das gut sein? Wie geht das überhaupt? Wie kann man das steuern? Begierde entsteht bei mir bisher im ersten Schritt durch Vertrauen, Empathie, Verständnis und durch geistigen Austausch auf einer Wellenlänge. Erst dann kann ich mir weiteren körperlichen Austausch vorstellen. Aber auch nur VORSTELLEN! Bisher sind das alles theoretische Hirngespinste und wer weiß wie das in Realität aussähe?!

Mein neuer ständiger Begleiter namens Neugierde treibt mich sicherlich mit solch einer gnadenlosen Wucht weiter an, dass ich vermutlich nicht mehr lange mit meinen Fantasien alleine bleiben werde….

Irgendwann gebe ich mir einen Ruck und schreibe ich einfach: „Hallo Paul, ich habe Dir eine Mail mit den erwähnten Infos geschickt. Herzlichen Dank für das so spannende und offene Gespräch! Habe mir gleich gedacht, als ich mich an den Tisch gesetzt habe, dass man sich mit Dir super unterhalten kann. Schönen Abend und liebe Grüße, Hazel“

Ständig schaue ich auf`s Handy, ob er antwortet… ich habe so viel Redebedarf und möchte mit ihm chatten.

37 Minuten später kommt seine Antwort…. aber dann macht er das Handy aus. „Schade,“ denke ich, „doch jetzt komme mal wieder Zuhause an, sei dankbar für die Erfahrung, den neuen Kontakt und genieße Deinen tollen Mann!“ Ja, Du hast Recht…

Ich kuschele mich an Andy und beginne ihm den Rücken zu massieren, bin wirklich sehr dankbar, dass er immer den ganzen Laden schmeißt, während ich mich auf irgendwelchen Veranstaltungen herumtummle. Und dass er KEIN Kontrollfreak ist wie ich! Zumindest in der Beziehung gibt es nicht einen Hauch von Eifersucht! Er wacht durch meine Berührung auf, murmelt verschlafen vor sich her und genießt es. Ich merke plötzlich, dass ich so unheimlich erregt bin, dass mich das leiseste Stöhnen von ihm total anmacht. Wahnsinn! Können Gespräche mit einem wild Fremden wirklich so erregen, ohne dass ich es bemerke? Den ganzen Abend für drei Stunden ging es nun um hauptsächlich um das Thema Sex, ich bin gefühlte 100 Male knallrot angelaufen und hatte diverse Schweißausbrüche. Offenbar hat das meinen ganzen Körper von den Zehen bis zum Haaransatz aufgeladen – mehr als es je ein Film oder Porno getan hat. Irgendwann dreht mein Mann sich um und beginnt mich am Hintern und Rücken sanft anzufassen. Und für das folgende Gefühl gibt es keine Beschreibung aber es ist das aller erste Mal, dass ich so etwas erlebe:

Plötzlich ergießt sich über meinen ganzen Körper eine Sturmflut an Erregung, all die sexuelle Energie explodiert in einer Sekunde, die sich in gefühlte Ewigkeit ausdehnt, mich durchfährt ein Ganzkörperorgasmus! … Und das nur durch eine simple, sanfte Berührung auf der Haut?! Wie kann das gehen?!

Mir kommen die Worte von SubRosaDictum in den Sinn, der sagte: „Für mich findet Sexualität hauptsächlich im Kopf statt.“ Ist das bei mir auch so? Hat sich meine ganze sexuelle Energie durch Gespräche und das Kopfkino den Abend über angestaut und aufgeladen und wird nun entladen mit einer Fingerspitze meines Mannes?

Ich stöhne so verrückt und laut auf, wie ich es gefühlt noch nie in meinem Leben gemacht habe, winde mich fast qualvoll vor Lust zwischen den Decken hin und her, stopfe mir ein Kissen in den Mund, um die Kinder nicht zu wecken und Andreas streicht mir nur über den Rücken, dann langsam über den Po, berührt sanft meine Brust…Ich glaube er weiß auch nicht recht wie ihm geschieht. Solch eine Reaktion hat er sicherlich auch nicht erwartet. Und diese pure Erregung in jeder Zelle meines Körper hört nicht auf. Bei jeder Berührung auf`s Neue! Ist das Extase? Wahnsinn, mir fehlen die Worte um dieses Gefühl zu beschreiben!!

Und auf einmal geht es mir leicht über die Lippen, auf einmal spüre ich glasklar den sehnlichsten Wunsch: „Schatz, bitte hau mir auf den Po! Versuch es einfach mal, bitte bitte tu mir den Gefallen!“

Ich strecke ihm mein nacktes Hinterteil entgegen, warte und warte …. und warte und drehe fast durch vor Erregung … und er holt aus. Und dieser kleine Moment streckt sich in alle Ewigkeit und genau in diesem Moment ergreift mich eine neue, große, unbekannte Welle der Lust. Es kostet ihn unheimlich viel Überwindung, und das verstehe ich. Mir würde es auch nicht leicht fallen jemand zu schlagen, den ich liebe.

Ich bettle erneut und dann, dann plötzlich höre ich einen …. Klatsch! Er hat es getan!!! Ich grinse breit in mein Kissen hinein und freue mich, dass wir dieses Tabu gebrochen haben. War doch gar nichts dabei, oder?

Das Brennen nach dem Schlag fühle ich erst ein paar Sekunden später und es bereitet mir allerdings keine merkliche Freude.  Doch die Spannung davor ist das, was mich mehr anmacht als ich mir je hätte vorstellen können und ich weiß nicht genau was mich noch daran erregt. Ich bettle ihn an, es nochmal zu tun. Diesmal traut er sich öfters und fester zuzuhauen. Einige Male klatsch, klatsch, … „Aua, das tut etwas weh!“, sage ich und mir reicht es… zumindest für das Erste… Ich schaue auf die Uhr: Oh Gott, mittlerweile ist es 3 Uhr morgens und vor lauter Aufregung, vor lauter neu geweckter Energie dauert es weitere 1,5 Stunden bis ich einschlafe. Um 4.30 Uhr einzuschlafen habe ich auch schon ewig nicht mehr gemacht. Die Nacht der Rekorde, nicht nur bei der Parkplatzsuche.

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Absolut Klasse ! Sicherlich gibt es da vieles zu sagen………………….wie z.b. sicherlich können erotische Gespräche etc. einen richtig heiß machen ! 🙂 Absolut !! Da gibt es sogar einiges……… !
    Übrigens beeindruckt bin ich auch. Echt cool. Wirklich.

    Ne schöne Jrooßßß

    HoM

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    1. Das freut mich zu hören, herzlichen Dank für das Feedback! Grüße von Hazel

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      1. Na, liebe Grüße zurück.
        Und ich meinte es genauso wie ich schrieb. Da kommen viele Gedanken auf.

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      2. Freut mich, wunderbar und so soll es auch sein 😉
        Meine wahren Erlebnisse und Fantasie kommen hier zusammen…

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      3. Nun ja, das ist meißtens so das wahre Erlebnisse und Fantasie zusammen kommen und sich in einem Selber verbinden ! 🙂

        Schöne Grüße

        HoM

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