16. Anti-Moral-Training um Mitternacht

Ich bin Frodo! Ich trage seit November 2017 einen Ring, dessen Macht und Einfluss täglich stärker und stärker wird, sodass ich kurz davor bin ihn auf meinen Finger zu setzten. Seine gewaltige Anziehung bringt mich beinahe um den Verstand.

Unser erster Vierer liegt gerade mal eine Woche zurück und meine Dämonen haben seither nicht im geringsten Lust sich in ihre Käfige zurück zu ziehen. Im Gegenteil: Ich reite auf einer mächtigen Woge der Lust, die mir ungeahntes Selbstbewusstsein in allen Lebensbereichen verleiht. Zur selben Zeit habe ich das Gefühl sämtliche Kontrolle in über meine Sexualität zu verlieren. Unbekannt, wie beängstigend aber unendlich geil.

Es ist Mittwochnacht, ca. 22 Uhr, eine Teambesprechung ist zu Ende. Ich fahre mit der S-Bahn nach Hause und ich komme mit Luis ins Gespräch auf Whats App, den ich einmal bei einem SM-Stammtisch kennen gelernt habe und mit dem ich seit einigen Monaten gelegentlich in Kontakt bin. Er selbst sagt über sich, dass die Verführung sein Naturell sei und dies kann ich bestätigen: Seit unserer Begegnung lässt mich eine gewisse Anziehung zu ihm nicht los:

Seine Stimme, sein Wissen von „meinem Schmutz im Kopf“ erregen mich. Des Weiteren schätze ich seine Erfahrung und seine Ansichten, da sie so völlig anders sind, als das mir Bekannte. Zwar bildet er sich schnell eine Meinung aber er hat mein Vertrauen, behandelt Frauen gut und ist wahrscheinlich einer der besten Anti-Moral-Trainer, die es gibt…

Luis: „Du fragtest mich, wie ich eine Session anfangen würde? Es gibt da einen Song „Fault Line“ von The Rigs, der zieht Dich richtig schön nach unten in die Tiefe. (Ich höre den Song und stöhne innerlich auf: Ja, Baby, genau da will ich hin.) Dann stellt Dir vor eine Hand fährt über den Rücken, über den Nacken in die Haare, wickelt sie um das Handgelenk und zieht richtig schön an.“

Ich: „Klingt herrlich! Mir kann es gerade nicht versaut und dunkel genug sein. Ich hoffe Du hast eine Frau Zuhause, die Dich zu dem Lied um den Verstand bringt.“

Luis: „Mehrfach erfolgreich getestet ;-)“. (Augenblicklich wird mir schwindelig vor Lust und ich klammere mich am Geländer fest. Wie kann ein einziger Satz mich so um den Verstand bringen? Ich muss es hoch ins Bett schaffen, muss dieses Gespräch beenden und ins Bett. Du hast die letzten Nächte bereits so wenig geschlafen vor lauter Sex und wirst es morgen bereuen.) Aber ich starre auf das Handy und wie fremdgesteuert tippe ich:

Ich: „Ich glaube ich brauche ein Schlampen-Szenario.“

Luis: „Schlampig wäre z.B. eine Benutzung von einem, einzelnen, anonymen Mann. Oder Du bietest Dich am Parkplatz an.“

Wir schreiben ein wenig hin und her über „Gang Bang“, „Cum & Go“, alles Dinge die mir völlig fremd sind und die ihm einfallen zum Thema „schlampig“.

Luis: „Deine Moral trickst Dich noch aus. Und Du entdeckst die willige Frau in Dir, willig Dich auf die verdorbene Seite ziehen zu lassen.“

Wie Recht er hat. Jedes Mal, wenn ich einen Wunsch äußere, mache ich im nächsten Moment einen Rückzieher. Und ja: eigentlich bin ich willig – mit jeder Phaser meines Körpers!!! Wie gern würde ich schreiben: „Hör endlich auf zu reden! Ich will keinen intellektuellen Austausch mehr. Fick mich!“ 

Ich fühle mich bereits so schlampig wie nie zu vor in meinem Leben. Noch vor vier Tagen erlebte ich einen filmreifen Porno und jetzt sitze ich hier um Mitternacht, während meine Kinder und mein Mann nichtsahnend seelenruhig schlafen, auf der Treppe im Hausflur, atme schwer, schließe die Augen vor Lust, schreibe mit einem Mann, der mein unersättliches Verlangen teilt, der meine dunkelsten Fantasien kennt und sie zu verstehen scheint, der meine Dämonen mit süßem Zucker anlockt.

Gerade produziere ich mein erstes erotisches Hörbuch für eine Freundin in meinem kleinen Homestudio. Gibt es eigentlich auch noch etwas anderes außer Sex und Erotik? Meine Gedanken schweifen in meinen kühlen Hobbykeller und ich stelle mir vor wie ich seine Geschichten aufnehme, seine tiefe, angenehme Stimme wieder und immer wieder auf den Kopfhörern höre und seinen versauten Erlebnissen lausche. Irgendwann presst er mich an die kalte, harte Wand, hält mir den Mund zu und nimmt mich. Oder ich stelle mir vor, wie ich nachts heimlich ins Auto steige und zu ihm fahre. Stark geschminkt, aufreizend und schwarz gekleidet stehe ich vor seiner Tür. Er öffnet mir, ich höre bereits die Bässe des Songs „Fault Line“ und stumm betrete ich einen kaum beleuchteten Raum. Ohne Worte packt er mich an den Handgelenken und lehnt mich an eine Wand. Er dreht die Musik noch etwas lauter und verschwindet. Ich zittere vor Angst, vor Aufregung und Lust und spüre plötzlich seine starke, warme Männerhand auf meinem bebenden Körper, höre, wie er mir schmutzige Worte ins Ohr raunt und es ist um mich geschehen…

Wie weit treibt mich meine Gier noch ins Dunkle? Wo liegen die Grenzen der Gefahr, des „Sich-Verlierens“ und des Vergnügens? Ist es nicht unfair Leon und Nora gegenüber, mit denen ich bereits unzählige, weitere Sessions plane, auch mit anderen Menschen in der Fantasie oder sogar in Realität zu spielen? Eigentlich bin ich die glücklichste und dankbarste Frau der Welt, einen Mann zu haben, der mich frei gibt und mir aus tiefstem Herzen gönnt, dass ich meine Lust auslebe. Ja, der sogar stolz ist, dass andere Männer mich begehren. Wieso ist diese Anziehung zu einem Fremden so stark und wieso muss er so anders sein, als mein Mann?

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. transomat sagt:

    Kann es sein, dass es einfach Spaß und Lust bereitet die sogenannte Moraletiquette zu verletzen. Tabus zu brechen. Ich denke so etwas kann man nur selber machen. da hilft die Genehmigung des Partners nicht. dann ist es kein Tabu mehr. Ich wünsche Dir viel Lust und Schmutz auf Deinem weg.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, das trifft es auf den Punkt! Vielen Dank und ich halte Dich auf dem Laufenden 🙂

      Gefällt 1 Person

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