17. Oh Käpt`n, mein Käpt`n

Meine Dämonen brauchen einen Spielplatz, denn sonst machen sie Ärger. Eingesperrt und ignoriert lebt es sich für kein Lebewesen gut. Ihr armen Gestalten, ich habe Euch vernachlässigt! Gestern Abend habe ich dies deutlich gemerkt, denn nach langer Zeit war ich einmal wieder auf einem Stammtisch vom JungeSMünchen. 

Mein Mann ermutigt mich, wie auch das letzte Mal und gibt mir den Auftrag auszugehen, gute Laune zu haben und „jemand aufzureißen“. Ich muss lachen, lege noch etwas Rouge auf und steig ins Auto. Habe ich nicht den besten Mann der Welt? Er kennt mich gut, denn ich „jage“ und gewinne gerne und mag Herausforderungen. Sein Auftrag hat meinen Jagdinstinkt geweckt und ich spüre ein leichtes Bauchkribbeln vor Aufregung, als ich den Motor des Autos anschalte. 

Eine nette, kleinere Runde von ca. 12 Leuten trifft sich an einem Dienstagabend in einem Münchner Restaurant. Kaum betrete ich den Raum, schweift mein Blick in Millisekunden-Schnelle über jeden Anwesenden. Sofort fällt mir ein großer, rothaariger Mann ins Auge, der sich selbst Käpt`n Blaubär nennt, da er lange Zeit in Dänemark gelebt hat. Ein Mann mit rauem Bart, dessen Blicke verraten was in ihm vorgeht. Wir unterhalten uns und er erzählt, dass er seine Kenntnisse im Bondage vertiefen möchte, falls mich das interessiere. Natürlich! … Oder ist das vielleicht nur eine „Methode“ um an Kontakte zu kommen? Ich bin unsicher, denn meine Erfahrungen mit Dates, Flirten und Co. Sind sehr begrenzt und ich mag diese Spielchen zwischen Männern und Frauen nicht sonderlich. Es fühlt sich nicht „echt“ an, wenn sich beide verstellen, nur um dem anderen zu gefallen. Ich spüre aber deutlich, dass zwischen uns eine starke, magnetische Anziehung besteht, die mich durcheinander bringt. 

Einmal kommen sich unsere Arme in der Mitte des Tisches etwas näher und es fühlt sich so an, als stellten sich all die kleinen, blonden Härchen auf meinen Armen auf, um näher an die seinen heranzukommen.

Im nächsten Moment spricht wieder mein moralisches Über-Ich: Hazel, geh ja nicht zu weit. Andy vertraut Dir zu 100%, also setzte das nicht auf`s Spiel! Andererseits genieße ich diesen Sog und koste ihn in vollen Zügen aus. Aber ganz still und heimlich und ich hoffe, dass man mir das bloß nicht ansieht. Ich bin doch kein billiges Flittchen, was sich offensichtlich an die Männer ranmacht, obwohl sie in festen Händen ist. Doch immer wieder schweife ich zwischenzeitlich ab und sehe Bilder vor meinem inneren Auge, wie ich eng an seinem Körper vor ihm stehe, ihn vorsichtig berühre, …

Ich frage ihn, warum er von Dänemark nach München zurück gekommen sei und augenblicklich wird mein Herz wird schwer wie Blei. Noch bevor er ausholt, um seine Geschichte zu erzählen fühle ich, dass er verletzt wurde und seine Ex-Freundin eigentlich immer noch liebt. Und ich kann so gut nachvollziehen, wie es ihm gehen muss und dass Sex eine willkommene Ablenkung für ihn wäre. 

Langsam wird es spät und ich möchte nach Hause. Daher sag ich recht schnell: „Schreib mir Deine E-mailadresse oder Telefonnummer auf. Wie können wir sonst Kontakt aufnehmen, wenn Du mit mir Bondage üben möchtest?“

Er ist etwas perplex und hat offensichtlich nicht damit gerechnet. „Hop oder Top“, denke ich. „Ich bin hergekommen, um einen netten Kontakt mit nach Hause zu bringen.“ Er ist etwas überrascht aber gibt mir seine E-mailadresse. Während die „Jägerin“ lässig seinen Kontakt einsammelt, spüre ich gleichzeitig in jeder Phaser meines Körpers die Spannung steigen. Wir verlassen beide gleichzeitig den Stammtisch, wollen an der Theke bezahlen und wir stehen etwas unbeholfen beisammen. Was rede ich jetzt bloß? Smalltalk ist nicht meine Stärke. Zum Glück beginnt er ein Gespräch über meine Kinder aber ich bin nicht so recht bei der Sache. Meine Dämonen rütteln an den Gitterstäben. Und was wäre, wenn ich mit ihm einfach mitginge und Sex hätte? Es fühlt sich so an, als wäre auch er bereit dafür. Ich muss mich regelrecht bewusst zusammen reißen, ihm nicht näher zu kommen oder einfach seine Hand zu nehmen. 

Ich bin nervös, aufgeregt und fühle mich gleichzeitig so sinnlich. Gemeinsam gehen wir noch ein paar Hundert Meter die Straßen entlang bis sich unsere Wege trennen. 

Zurück im Auto kann ich mich nur mit Mühe auf die Straßenverhältnisse konzentrieren. Immer wieder tauchen verruchte und schmutzige Bildfetzen in Hochauflösung vor meinem inneren Auge auf.

Mein Unterleib zieht sich vor Erregung zusammen und mein Atem wird schwer. Wie auf Knopfdruck öffnen sich die Gitterstäbe des Käfigs, meine Dämonen beginnen Regie zu führen, der Vorhang fällt und die Vorstellung beginnt. Käpt`n Blaubär ist bereits in unserem Schlafzimmer: Was würden mein Mann und er nur mit mir anfangen, wenn ich in schwarzen Dessous und Highheels mit verbundenen Augen vor ihnen stünde? Wie wäre es, die zischenden Seilenden über meinen ganzen Körper wetzten zu fühlen, immer machtloser zu werden und gleichzeitig so sicher und geborgen mit fixierten Handgelenken am Dachbalken zu hängen? Wenn Andy sich mit ihm immer wieder berät, wie sie mit mir weiter vorgehen, um meine Lust ganz langsam zu steigern? Wenn sie mich benutzen und ich ihnen bedingungslos zur Verfügung stehe? Einmal greift eine große, warme, kräftige Hand in meinen Nacken und im nächsten Moment, rieche ich den vertrauten, angenehmen Duft meines Mannes. Ich spüre seine Nähe und will MEHR mit jeder Phaser meines Körpers. Auf einmal spüre ich eine kalte Gerte die Innenseite meiner Oberschenkel hinauf wandern.  Oh Käpt`n, mein Käpt`n . Das bringt mich schier um den Verstand. Im nächsten Moment werde ich eingehüllt in die Wärme zweier nackter Körper, Vorne, Hinten und überall. Plötzlich ein Schlag auf meinen Hintern, sodass dieser zu rot zu glühen beginnt. Und dann diese Hände, diese warmen, großen Hände, die ich irgendwann nicht mehr zuordnen kann. Die genau fühlen was mir guttut, die mal sanft und liebevoll, mal grob und bestimmend über meinen Körper wandern. Und dies ist erst der Anfang…

Ich presse meine Oberschenkel zusammen, werfe den Kopf in den Nacken und kralle mich an das Lenkrad. Käpt`n, oh, Käpt`n, was machst Du mit mir? „Konzentriere Dich und sieh auf die Straße, Hazel! Zeit nach Hause zu kommen und ins Bett zu Andy zu steigen! Aller höchste Zeit meine Fantasien endlich in Realität umzusetzen! “

Lasst die Nachtschicht beginnen…

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. transomat sagt:

    Wirklich nicht ? Ich meine es hat doch was, auch mal das billige Flittchen zu sein. Wann lässt Du es raus ?

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    1. Du hast Recht und das Bedürfnis kommt manchmal auf, ja! Noch nicht getraut …

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