25. Mein Erster SM-Alptraum

„Du reagierst verhältnismäßig sehr intensiv!“, sagte letztens der Käpt`n bei einem gemeinsamen Abendessen zu mir.

Ich reagiere nicht nur intensiv und kann bereits durch winzige Berührungen, ja sogar nur durch eine Stimme schier die Beherrschung verlieren, vor Erregung. Nicht nur meine Empfindungen sind intensiv, direkt und gelangen ungefiltert in meinen Körper und meine Seele und vereinnahmen meine Gefühlswelt, sondern ich lebe intensiv. Selbst im Alltag ertappe ich mich immer wieder, wie ich mit unbewusst stetig herausfordernde Situationen schaffe, die ich dann glücklich bin auf den Punkt und in letzter Sekunde zu meistern. Ich spiele gerne die starke Heldin mit großem, offenen Herzen und wachem Blick! Letzte Nacht hätte ich mir meine intensive Wahrnehmung allerdings gerne erspart …

Gestern hat sich eine neue Babysitterin aus unserem kleinen Örtchen bei uns Zuhause vorgestellt. Sie heißt Alisa, ist Anfang 20, gutgebaut und trägt eine lockige wilde Mähne, die ihr hübsches Gesicht verziert, wie ein schmucker Bilderrahmen. Die Kinder spielen sofort aufgeschlossen mit ihr und ihr scheint es Spaß zu machen, sich mit ihnen zu beschäftigen. Doch irgendetwas an ihr ist merkwürdig. Ich sehe ihr offen und klar in die Augen und fühle mich dabei so dumm und unwohl, ohne dass ich eine Erklärung dafür habe. Ihre Augen haben etwas kaltes, fieses…sie ist so selbstsicher, fordern und fragt mich alles mögliche aus… 

Nachts wache ich schweißgebadet auf. Ein Schauer fährt mir über den Rücken. Mein erster SM-Alptraum beginnt…

Alisa zeigt mir ihr frisch bezogenes Zimmer bei uns im Ort und es ist genau so wie sie mir es beim ersten Treffen geschildert hat: Ein großes, geräumiges Zimmer im Souterrain. Doch es ist noch viel mehr Platz als ich erwartet habe. Ja, es ist regelrecht eine länglich geschnittene Halle und zur einen Seite über und über mit Fenstern ausgestattet. Fassungslos gehe ich etwas unsicher hinter ihr her und sehe mich mit staunendem Blick um. Wenn man aus dem Fenster sieht überblickt man weitere Felder, in der Ferne Weinberge, die Sonne strahlt mir ins Gesicht… Ich frage sie: „Und das soll ein Souterrain Zimmer sein? Du hast die schönste, weiteste Aussieht aus dem Fenster, die ich je gesehen habe.“ Alisa antwortet: „Ja, da habe ich echt Glück gehabt, oder?“

Eigentlich weiß ich nicht recht was ich hier tu, denn wir kennen uns doch kaum. Warum gehe ich mit einer potentieller Babysitterin in ihr Zimmer? Warum bin ich nur so neugierig und streife mit forschenden Blicken die Wände entlang?

Mit einem Mal werde ich stutzig und sehe sie verwundert an. Dem Zimmer fehlt eine komplette Wand und Bücherregale aus schwarzen Metallgestellen trennen ein weiteres Zimmer… Vorsichtig gehe ich einige Schritte weiter, um sehen zu können, was sich hinter den Regalen befindet. Ein recht geräumiger Raum, in den eine offene Treppe führt, vollgestopft mit Büchern, Regalen und allerhand Krempel. Direkt unmittelbar neben dem Regal, welches Alisas Raum abtrennt, steht ein riesiger schwarzer Sessel und in diesem Sessel sitzt ein mitteleuropäisch aussehender Mann um die 50 Jahre alt, der bis auf sein Gesicht in eng anliegendes schwarzes Latex eingehüllt ist. Er drückt einige Knöpfe an der Armlehne, ein leises Surren erklingt und der Sessel fährt langsam die Lehne nach hinten. Entspannt schließt er die Augen und lehnt sich zurück.

Um ihn herum liegen schwarze Sexspielzeuge in jeglicher Ausführung. Dinge die ich im Leben noch nie gesehen habe!

Entsetzt sehe ich Alisa an und flüstere ihr zu: „Du teilst Dir das Zimmer mit ihm, diesem fremden Mann und wohnst nicht alleine?“ Sie antwortet leise: „Nein. Zwar wusste ich nichts von meinem „Mitbewohner“ aber ich nehme es für all den Platz und die geringe Miete in Kauf. Wo sonst findet man in dieser teuern Stadt überhaupt ein Zimmer als Studentin? Und überhaupt hält er sich hier selten auf. Dies ist ja nur sein „Keller“ und er ruht sich hier gelegentlich aus….“.

Niemals würde ich so etwas in Kauf nehmen. Vor allem hat sie mir auch erzählt, dass ihr Freund sie hier regelmäßig besucht. Wie kann sie nur Sex haben in solchen „Wohnverhältnissen“? Ich bin irgendwie so nervös. Wo zum Teufel bin ich hier gelandet?

Wie ein scheues, aufgeschrecktes Pferd stehe ich im Zimmer und weiß nicht Recht wie mir geschieht. Was mache ich hier? Wo sehe ich hin? Irgendetwas läuft hier schief. Als röche ich ein totes Tier, welches unbeachtet bereits einige Wochen leblos in der Ecke modert doch ich kann nicht zuordnen wo es liegt…

Auf einmal höre ich Schritte und ein lang gewachsener, spindeldürrer Mann schätzungsweise um die 20 Jahre alt, in weißem Kittel und mit ebenso weiß-blassem Gesicht, kommt die Holztreppe hinab. Auch er scheint nervös zu sein, irgendwie unterwürfig und schreckhaft.

Der Mann im Sessel blinzelt ihn kurz abwertend an und zischt ihm gereizt zu, er solle doch endlich zur Sache kommen und die Spritzen vorbereiten. Auf der einen Seite des Zimmers steht ein antiker brauner Schreibtisch voll beladen mit Ordnern, Mappen, Papier und mit verschiedensten Schubladen. Mit zittrigen Fingern öffnet er abrupt die eine Schublade und nimmt eine Spritze heraus. Er nimmt den Deckel ab, sieht mit prüfenden, doch unsicheren Blicken auf die sich darin befindende Flüssigkeit und drückt  vorsichtig die Luft heraus, …

Ein Sonnenstrahl trifft die silberne, lange Nadel und reflektiert das Sonnenlicht blitzartig in meine Augen. Genau in dieser Millisekunde treffen sich auch unsere Blicke. Wie vom Schlag getroffen bleibe ich mit offenem Mund wie angewurzelt stehen. Wie in einem Filmriss sehe ich plötzlich Szenen sich vor meinem inneren Auge abspielen: Ein dunkler, rötlicher, enger Raum ausgestattet mit sämtlichem BDSM-Spielzeug, jedem erdenklichem BDSM-Möbelstück… Ein zartes, beinahe lebloses blasses Mädchen hängt an Armen und Beinen gefesselt inmitten des Raumes. Ihre langen, braunen Haare verdecken ihr Gesicht, immer wieder knickt sie ein und geht in die Knie, als wäre sie kurz davor einzuschlafen. Sie sieht mitgenommen, jämmerlich und ausgemergelt aus. Dieses jämmerliche Bild dieses ausgelieferten Mädchens macht mir Angst.

Mein Kopf schreit: „Hau ab, renn so schnell Du kannst!“ Doch meine Beine rühren sich nicht von der Stelle und sind schwer wie Blei.

Die nächste Szene schießt mir in den Kopf: Der junge Arzt, im weißen Kittel verabreicht einige Minuten vorher dem gefesseltem, vor Panik schreiendem Mädchen mit zitternden Fingern eine Injektion, die sie augenblicklich ruhig stellt. Der Mann im schwarzen Latex betritt den Raum, grinst breit, lacht etwas hämisch, greift zum Schlagwerkzeug und beginnt mit voller Wucht auf das Mädchen einzuschlagen… Das ist genau der Mann, der hier in dem Sessel direkt vor mir sieht. Der mich riecht und schmeckt und der sich bereits die Zähne leckt. Der genau weiß, dass ich ihn bemerke aber der so tut, als wisse er nicht, dass wir ihn sehen und hören.

Und der junge Arzt ist der Mann, der gerade die Treppe herunter kam, der Mann, der mich gerade diese Millisekunde ansieht mit einem Blick, den ich nie vergessen werde: Ein flehender Blick voller Resignation, nur noch Aussichtslosigkeit und ein letzter, klitze-kleiner auflodernder Versuch mich zu warnen: „Genau DAS muss ich auch mit Euch machen. Das ist die Zukunft eines jeden Mädchens, welches in dieses Zimmer einzieht. Es tut mir so leid aber ich kann nicht anders, denn sonst werde ich gefoltert und ermordet von meinem dunklen Herren!“

Endlich, jetzt endlich scheint mein Körper wieder mir zu gehören und ich begreife, was dieser junge Arzt mir mit seinem Blick sagen wollte. Das blanke Entsetzen ergreift mich augenblicklich und Panik durchfährt mich von den Beinen bis in die Brust. Mein Herz rast. Flucht oder Tot. Weg weg weg. Wir müssen hier raus. „Nimm Deine Wertsachen und verschwinde. Lass alles stehen uns liegen!!!“, rufe ich Alisa zu.

Mit weit aufgerissenen Augen starre ich an die Decke und spüre Todesangst. Mein Wecker klingelt. Nie war ich dankbarer dafür! Mein Atem geht schwer. Völlig verstört beginne ich meinen Tag. Bei der Babysitterin Alisa haben wir uns nicht mehr gemeldet. Oder würdet ihr, liebe Leser, Eure Kinder diesem Mädchen anvertrauen?

 

 

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. transomat sagt:

    Das sind die Träume die man kurz vor dem aufwachen hat. Manchmal schaffe ich es, sie sogar noch ins positive zu drehen. Das Setting hört sich doch eigentlich ganz nett an. Danke für Deine Erzählung.

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  2. Leon sagt:

    Wow….die Geschichte macht einem selbst beim Lesen Gänsehaut.

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    1. Danke, das freut mich zu hören, dass ich meine Gefühle so rüberbringen konnte… Und jetzt schnell an was Schönes denken 😉

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