31. Wahre Hingabe und ihre Folgen

Ich weiß ganz genau was ich will: Ich will Sex! Und das bereits einige Wochen lang. Und zwar nicht irgendeinen, sondern fantastischen Sex. Echten, leidenschaftlichen, hingebungsvollen Sex der aus der Tiefe kommt und der mich die Verbundenheit wieder spüren lässt, die uns in den letzten Wochen durch viel viel Arbeit etwas abhanden gekommen ist.

Dazu brauchen wir Zeit und Ruhe, also bitte ich die Großeltern die Kinder doch für ein Wochenende zu sich zu nehmen. 250 km fahre ich mit allen dreien zu ihnen und anschließend zurück. 500 km, viel Stau… ein ganzer Tag geht dafür drauf. Bin ich eigentlich bescheuert? Was für ein Aufwand!

Doch wie sonst kann ich dafür Verantwortung übernehmen? Wie lange träume ich schon davon? Ein Wochenende nur für meinen Mann und mich. Zwei komplette Tage kinderfrei, keinen Termin, keine Projekte und nur Zeit für uns.

Am Samstag schlafen wir bis 10 Uhr früh aus, gehen zusammen frühstücken in einem netten Café im Ort und anschließend sitzen wir stundenlang gemeinsam am Esstisch, um Unterlagen auszufüllen. Macht das Spaß zusammen zu arbeiten! Unsere Intelligenzen tanzen den schönsten Walzer!

Anschließend heißt es: Kleid bügeln, baden, schöne schwarze Spitzenunterwäsche anziehen und abends ab in die Stadt. Ich habe Plätze reserviert in einem Restaurant, in dem Fisch und Fleisch in Salzkruste gebacken wird – ein Gaumenorgasmus! Liebe geht bekanntlich durch den Magen und wir beide lieben gutes Essen, Luxus und Genuss. Anschließend schlendern wir zu einer Hotelbar und genießen einen Cocktail. Wieder Zuhause angekommen schlafen wir satt, müde und … glücklich… ja, Andy glücklich …aber ich?

Wie so oft einfach zu müde für Sex. Verflixt, das gibt es doch nicht. Wie stelle ich das nur an? So langsam bin ich genervt. Kann er nicht einfach mal über mich herfallen so wie früher?

Gute Laune bewahren, Hazel. Nachgeben. Einfach geduldig in der Ecke lauern. Wir kommen schon noch zum Zug. Ich streichle meinen Dämonen dankbar über den Kopf, gebe ihnen einen Gute-Nacht-Kuss und kuschele mich in die Decke ein.

Wie auch bereits in der ersten Nacht träume ich wild, verrückt und erotisch. Ich spüre regelrecht wie mein Schoß sehnsuchtsvoll nach Berührung schreit. Als würde mein sexy schwarzes Höschen, welches ich anbehalten habe, mich an meinen Wunsch erinnern…

Der nächste Morgen: Die Sonne lacht durch das Dachfenster mir mitten ins Gesicht. Ich blinzele und sehe auf die Uhr. Das gibt es doch nicht! 11.30 Uhr? Ach Du meine Güte, so lange habe ich jahrelang schon nicht mehr geschlafen. 

Andy liegt neben mir in seine Decke eingerollt und ist noch weit weit weg im Schlummerland. Da kommt mir eine Idee. Soll ich das wirklich machen? Warum denn eigentlich ich schon wieder? Nein, hör auf mit dem Opfer-geheule und mach es einfach und zwar mit Freude!

Leise tapse ich runter in die Küche und dann geht es los, denn er könnte ja jeden Moment aufwachen: Frisch gepresster Orangensaft, Kaffee, warme Brötchen, Marmelade, perfekte Frühstückseier, Aufschnitt, Blaubeeren… all das packe ich auf zwei Tabletts, trage es zwei Etagen hinauf und stelle es neben unser Bett. Schnell noch mein Negligé passend zum Höschen angezogen… Ach, ich liebe Überraschungen! Hm…er blinzelt mit den Augen. Ob ihn der Kaffeeduft vielleicht weckt und ihn sanft an der Nase kitzelt? 

Etwas schlaftrunken schaut er mich grinsend an und freut sich riesig. Ich packe uns zwei dicke Kissen in den Rücken und los geht die Schlemmerei. Die Vögel zwitschern, die frische Luft weht uns um die Nasen und wir unterhalten uns über dies und das. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr erinnern wann wir so etwas zum letzten Mal gemacht haben. Ich schätze es ist sicher bereits 9 Jahre her?! Ich kann mein Glück kaum fassen. Im Bett zu frühstücken ist grandios!

Nachdem wir uns beide satt gegessen haben fällt mir eine Glasflasche auf dem Bettrand ins Auge: „kräftigend und wärmend“ steht auf dem Arnika-Massageöl. Ja, so könnte es klappen. „Leg Dich auf den Bauch und zieh Dich aus.“, gebe ich ihm zu verstehen. Das lässt er sich nicht zweimal sagen, denn ich bin eine ausgezeichnete Masseurin.

In den nächsten 90 Minuten beginnt erneut ein wunderschöner Tanz. Diesmal nicht ein Tanz unserer Interllekte oder unserer gemeinsamen Lust an ausgezeichnetem Essen, sondern nun ist es Zeit für unsere Körper.

Ich bin reine Hingabe und öffne mein Herz. Jeden Zentimeter seines Körpers liebkose ich, knete ihn durch, streiche und küsse, höre und langsam spüre ich, wie nach und nach all der Druck, all die Anspannung aus jeder seiner Zelle weichen. Alles um mich herum verschwindet, es zählt nur dieser eine Moment zwischen uns beiden. Wie ein geschmeidiges Kätzchen schmiegen sich meine Beine um seinen Körper, ich winde mich hin und her, schlüpfe sachte von einer Seite zur anderen und Stück für Stück verschmelzen unsere Körper. Ich spiele und genieße und setzte Arme, Beine und Füße ein. Was für ein Genuss! Da fällt mir auf einmal Ilan Stephani ein, die sagt, dass wir unsere Sexualchakra platt sitzen und es tauchen Bilder auf aus einer Tantra-DVD, die wir vor Jahren einmal gemeinsam geschaut haben. Das wird es sein. Ja, ich kann mir so gut vorstellen, dass er aufgrund seiner verantwortungsvollen und aufregenden Arbeit schlichtweg keine Energie mehr übrig hat für Sex. Doch meine warmen Hände können Andy unterstützen. Sacht und liebevoll lege ich immer wieder meine Handflächen auf seinen Unterbauch, seinen Hintern, schüttle ihn leicht und massiere ihn wieder kräftig. Mein Knie fühlt die aufsteigende Wärme zwischen seinen Beinen und auch bei mir bemerke ich eine sanfte, wohlige Erregung im ganzen Körper. 

Nach sicherlich einer ganzen Stunde sind nun die Oberschenkel dran und Andy dreht sich dazu auf den Rücken. Oh, wie freue ich mich über diesen Anblick, denn reckt sich dort vor mir sein wunderschöner Schwanz in die Höhe. Ich juble innerlich auf! Wir haben alle Zeit der Welt und die möchte ich auch nutzen und setzte mich meinen Po ihm entgegenstreckend auf seinen Bauch. Kräftig und mit tiefen Atemzügen beginne ich die Oberschenkel einzeln zu massieren und durchzukneten. Jede Berührung in der Leistengegend oder jedes rein zufälliges Streifen seines Schwanzes lässt ihn bereits aufstöhnen. Ja, ja, ja. Wie lange habe ich darauf gewartet.

Aber ich bringe das zu Ende und ich liebe dieses unendlich lange Vorspiel, liebe es so sehr, wenn aus einem zarten Piano durch ein beinahe qualvoll langes crescendo ein Fortissimo wird.

Mit Küssen wandere ich seine Beine entlang zu den Füßen, umarme seine Beine und irgendwann kann ich mich nicht mehr halten und lege seine Hand auf meinen Po. Ein Schauer aus Erregung durchflutet meinen Körper, als er diesen berührt, das Höschen etwas zur Seite schiebt und mein Unterleib drängt sich an seinen Körper. Er möchte meine Vagina berühren, doch ich entziehe mich geschickt seinem Griff. Einfach nur unsere Körper, nur Reibung, Wärme, Hingabe, Liebe,  Berührung… fühlen.

Andy kann nicht mehr. Er ist nun pures Verlangen. Diese Massage hat all seine sexuelle Energie, all seine Kraft Stück für Stück freigesetzt und nun lasse ich mich von seiner Wucht mitreißen. Ich drehe mich zu ihm um und sitze nun auf seinem Bauch. Er greift mir fest in den Nacken und zieht mein Gesicht zu seinem. Oh Gott, wie liebe ich das! Durch meine wilde Mähne hindurch berühren sich unsere Münder, dann unsere Zungen und erneut bricht eine Welle der Erregung gleichermaßen über uns zusammen. Wir stöhnen auf!

Ich fühle mich kurze Zeit wie in einem Film. Wie in dem besten Porno der Welt. Doch Schauspiel und Drehbuch haben wir nicht nötig. Alles ist 100 % echt.

Wie und wo oder ob sein Schwanz mich überhaupt berührt weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass er keuchend vor Lust in mein Ohr raunte: „Ich komme gleich.“ Meine Antwort: „Wir haben Zeit. Langsam, Schatz!“

So sitze ich rittlings auf ihm, spürte auf einmal wie der warme Druck von seinem Bauch und die lustvollen, langsamen Bewegungen von uns meine Erregung so sehr steigerten, dass auch ich merke, dass ich gleich zum Höhepunkt kommen würde. Unsere Körper beben, die Hitze lässt uns Verschmelzen und ich fühle mich so frei und lebendig, so vereint im Hier – und Jetzt. Die Zeit dehnt sich aus. 

Andy berührt meine Brüste, er saugt und küsst sie leidenschaftlich und unweigerlich schreie ich auf vor Lust. Sachte und ganz langsam bewege ich mein Becken Millimeterweise auf und ab. Das eine so winzige Bewegung ein solchen Vulkan zum Ausbrechen bringen kann, ist mir unerklärlich und nichts und niemand kann mich nun mehr halten. Zehn, elf, zwölf… viele Male erklingen meine hellen, lauten Schreie durch das ganze Haus. Die Funken sprühen, die Haut ist nass vor Schweiß, die Haare kleben mir im Gesicht… das ist Sex. Das ist wahrer Sex und das ist wahre Liebe.

Wir können es doch. Ich kann es noch. Und das sogar völlig ohne Geschlechtsverkehr und keine einzige Berührung unserer Intimzonen.

Ich alleine habe es in der Hand! Ich bin die liebe Göttin. Danke für dieses unvergessliche Erlebnis, Andy und danke, dass Du dich auf die weibliche Art Sex zu haben, eingelassen hast.

Ich kann die nächste Nachtschicht mit Dir kaum erwarten…

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. transomat sagt:

    Das liest sich so wunderschön Hazel. Ich danke Dir dafür.

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  2. Heiko sagt:

    Liebe Hazel,

    Nun hab ich, nach Monaten des abstands, zu deiner Seite, das erste mal wieder von Dir und Deinem Weg gelesen.
    Ich hatte mich zurück gezogen weil ich merkte, das dein Weg, nie der meine sein könnte. Zu intensiv, zu viel Dämon, mir fehlte das “echte“ Gefühl der nähe und Zuneigung.
    Ich suchte eher nach Beschreibungen die echte, wahre und wirkliche Hingabe zweier Seelen bis zur völligem verschmelzung zeigt.
    Daher wendete ich mich hier ab und suchte nach anderen Lesequellen und stolperte dabei über viele Geschichten und auch Tantriche Schriften.

    Welch ein gewinn für mich und meine Seele.
    Tantra!
    Eine uralte Lebensweise, die alle Lebenssituationen überstanden hat, und dabei auf nichts anders aufbaut als der reinen Liebe.
    Ich meine nicht das Westlich gelagerte Tantra das mehr als Sexuelle Praxis daher schreitet, nein, ich meine die Östliche form die mehr als Lebensphilosophie gesehen werden möchte.
    In dieser Praxis wird allem Harten mit Weichheit begegnet.
    Für mich unfassbar faszinierend, spannend und aufregend.

    Welch ein Fest, das dies hier in deinem letzten Bericht auch zu lesen und zu spüren ist. Welch ein riesenhafter Prozess der Umkehr und Verwandlung.

    Dein Bericht 31 bewegt mich gerade sehr tief, und läst mich davon träumen es dir nach zu tun, (alle 3 Kinder verschicken und viel Zeit einplanen 🙂

    Daher vielen lieben Dank Hazel!
    Namaste

    Heiko

    Ps.: Zu meiner eigenen Umkehr haben mich auch viele kleine Geschichten bewogen die mir helfen.

    Das Licht wirft immer den Schatten, wenn wir die Dämonen sehen, müsste im Rücken die Sonne stehen.

    Oder diese Metapher:
    DIE ZWEI WÖLFE

    Abends am Lagerfeuer erzählte ein alter Indianer seinem Enkelsohn von einem Kampf, der in seinem Inneren tobt.

    Er sagte: „Mein Sohn, dieser Kampf wird von zwei Wölfen ausgefochten.“

    Der eine Wolf ist böse:

    Er ist der HASS, der Zorn, der Neid, die Eifersucht, die Sorgen, der Schmerz, die Gier, die Arroganz, das Selbstmitleid, die Schuld, die Vorurteile, die Minderwertigkeitsgefühle, die Lügen, der falsche Stolz und das Ego.

    Der andere Wolf ist gut:

    Er ist die LIEBE, die Freude, der Friede, die Hoffnung, die Heiterkeit, die Demut, die Güte, das Wohlwollen, die Zuneigung, die Großzügigkeit, die Aufrichtigkeit, das Mitgefühl und der Glaube.

    Sein Enkel dachte einige Zeit über die Worte des Großvaters nach und fragte dann: “Und welcher der beiden Wölfe gewinnt den Kampf?”

    Der alte Cherokee antwortete: „Der den du fütterst!“

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